Plot

Plot – Erster Erzählstrang
Dr. Affolters Geburtstag

Dr. Affolter, die Begründerin des Affolter-Modell®, lebt in einem Bauernhaus eines Bergdorfes bei St. Gallen. Trotz ihres hohen Alters, sie wird 90 Jahre alt, und einer starken Sehbeeinträchtigung lebt sie alleine. Auch die kleinen und großen Herausforderungen des Alltags meistert sie alleine oder gelegentlich mit der Hilfe einer Nachbarin, die sie selbst früher zur Affolter-Therapeutin ausgebildet hat.
Sie steht vor der Theke des Gemischtwarenladens ihres Dorfes, nur einige hundert Meter von ihrem kleinen Bauernhaus entfernt, die Dorfstraße abwärts. Während sie den Einkauf – Mehl, Butter, Zucker und Käse – in ihren Rucksack packt, wechselt sie einige wenige Worte auf Schweizer-Deutsch mit der Verkäuferin, die sie seit Jahrzehnten kennt. Langsam und mit ausgesprochener Sorgfalt wendet sie bei jedem Handgriff ihre eigene Therapiemethode an, da ihre Augen stark beeinträchtigt sind. Auch als sie die Münzen erst spürt und dann auf die Theke legt oder als sie tastend den Laden verlässt.
Vorsichtig, den Kontakt mit dem Boden suchend geht sie an einem Stock langsam die Dorfstraße zu ihrem Bauernhaus hinauf. Sie legt immer wieder kleine Pausen ein, die sie nutzt, um den Blick in Richtung Wälder und Berge zu verlieren.
Als sie das Gartentor zu ihrem Haus öffnet, erkennt man wieder die Feinfühligkeit und Fertigkeit ihrer Finger. Doch an der Haustüre angelangt, gerät etwas außer Kontrolle: der älteren Dame gelingt es trotz wiederholter Versuche nicht, das Schlüsselloch zu treffen, sie findet keinen Halt mehr und gerät in Panik. (Bei mangelnder Stabilität – ein Fachbegriff des Affolter-Modell® – gerät ein wahrnehmungsgestörter Mensch leicht in Panik.)
Wie vom Himmel gerufen, eilt eine zufällig vorbeikommende Nachbarin herbei, die ihr körperlichen Halt schenkt und sie beruhigt. Daraufhin fängt die Nachbarin an, die Hände der älteren Dame und den Hausschlüssel nach dem Affolter-Modell® zu führen (Führen – ein Fachbegriff des Affolter-Modell®), öffnet die Tür und man erkennt, dass auch sie Affolter-Therapeutin ist.
In der Küche angelangt machen sich beide daran, einen Kuchen vorzubereiten. Mal agiert Dr. Affolter alleine, mal wird sie professionell von der Affolter-Therapeutin geführt. Alle Schritte des Kuchenbackens sind geplant und gut durchdacht. Sie entsprechen einem Geschehnis nach dem Affolter-Modell®, einer Reihenfolge von Interaktionen, die auf ein Ziel ausgerichtet sind und einen Beginn und ein Ende haben.
Zuletzt sitzt Dr. Affolter mit vielen geladenen Gästen in ihrem Wohnzimmer, die Zuschauer bemerken, das … es ist ihr 90. Geburtstag. Nun versteht man, wofür der Kuchen gebacken wurde. Neben vielen ehemaligen Schülern und Patienten sitzen auch junge Schüler neben ihr, denn die bejahrte Therapeutin unterrichtet sie noch. Sie fängt an, von den Anfängen ihrer Methode zu erzählen. Daraufhin werden Fragen gestellt und langsam entwickelt sich der Nachmittag zu einem lebendigen und freudvollen Gespräch, in dem Aspekte des Therapiemodells klargestellt oder vertieft werden. Nicht zuletzt der Aspekt der Empathie in der Beziehung zum Patienten. Unter den Gästen sitzt auch ein junger Mann in einem Rollstuhl, der sich sehr schlecht artikulieren kann. Es handelt sich um den Kletterer aus dem zweiten Erzählstrang. Er ist auf Grund eines Kletterunfalls in diesen Zustand geraten.

Plot – Zweiter Erzählstrang
Der Kletterer und die Natur

Der Rollstuhlfahrer, der am Ende des Kurzfilms in Dr. Affolters Wohnzimmer im Rollstuhl gezeigt wird, war ein Kletterer. Er wird in einem Rückblick auf sein Leben, vor dem Unfall und vor den Therapiemaßnahmen, beim Klettern gezeigt. Diese Aufnahmen und diejenigen von faszinierenden Schweizer Bergen, Wäldern, Hängen und Seen entwickeln sich zu einem stillen zweiten Erzählstrang des Kurzfilms.
Sie werden zwischen den Filmszenen 1 bis 5 und während Dr. Affolters Aufstieg zu ihrem Bauernhaus eingeblendet.
Dieser zweite Plot erzählt von der Schönheit der Natur und möchte die Zuschauer in stille Ergriffenheit versetzen. Er kommt ohne Worte aus. Nonverbal erzählt er von Farben, Formen und Rhythmen der Schweizer Berge, der Wälder und Seen. Und von Klängen. Klänge, die üblicherweise durch einen Schwall an Worten übertüncht werden. Erst diese klangvolle Stille macht die Zuschauer zu einer tieferen Wahrnehmung fähig. Die Begegnung eines Affolter-Therapeuten mit seinem Patienten entspringt einer ähnlichen Stille.

→ das Projekt: Schlaganfall® Ein Film

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